Datum abgelaufen

Pop up. Es poppt nur so in Wien, dass man den Wald vor lauter Bäumen bald nicht mehr sieht – sei es im Hinblick auf Modestores oder Restaurants. Das wohl bekannteste Projekt in Wien – das 365 The Fox House in der Westbahnstraße im 7ten – musste erst vor ein paar Tagen frühzeitig die Pforten wieder schließen und wird hoffentlich andernorts wieder aufpoppen. Es hat Raum für Kunstaktionen, Fashion und Essen in der Fox House Kitchen geboten.

Kulinarisch hat sich die Betonküche schon einen Namen gemacht. Hingeschafft habe ich es leider noch nicht, steht aber bald auf dem Programm. Die Betonküche nutzt leerstehende Lokale für ihren temporären und kulinarischen Kulturraum und ist eine Initiative zur Wiederbelebung brachliegender Stadtflächen. Severin Corti hat sich schon mal angetan gezeigt vom Konzept.

Ein anderes Pop-up-Restaurant gibt es seit Herbst 2011 im 19. Bezirk: das Ablaufdatum. Der Ruf eines idyllischen Gastgartens ist dem Lokal vorausgeeilt und ja, der Garten ist schön.

Die Antipasti-Produkte sind von der Qualität auch geschmacklich durchwegs in Ordnung – gute Mortadella, Brotsalat oder gefüllte Eier. Aber das Preis-Leistungsverhältnis stimmt einfach nicht. Zu kleine Portionen für den Preis oder zu großer Preis für das Gebotene. Hingehen lohnt sich nur, wenn man keinen Hunger hat!

 

Süßes sonst gibt’s Saures

Während man auf der Kunst-Essen-Kino-Plattform kekinwien zum Hingehen auffordert, möchte ich lieber ein etwas differenzierteres Bild der Hotel Daniel Bakery zeichnen. Der Ruf ist der Bakery ja schon vorausgeeilt, jetzt wo das Grazer Hotel Daniel auch in Wien eine Dependance eröffnet hat, direkt bei der künftigen Verkehrsdrehscheibe, dem neuen Südbahnhof. Vor allem für das Frühstück hat die Bakery schnell einen Platz in den Herzen vieler WienerInnen bekommen.

Ich will es also auch mal ausprobieren. Beim Betreten des Hotels fallen einem gleich der weitläufige Raum der Bakery, das viele Licht und die verschiedenen Sitzmöbel auf. Ein wirklich hübsches Interiordesign, besonders entzückend der Hängesessel im Biedermeierlook in der Mitte, auf dem gerade drei kleine Mädchen schaukeln, als wir kommen.

Der bestellte Cocos-Curry-Shot wird ganz originell in der Flasche serviert, zum Selbstbefüllen der mitgelieferten Tasse. Die Suppe ist dann hm, ganz gut, Euphorie klingt anders. Haar in der Suppe gab es zwar keines, aber viel Würze leider auch nicht.

Der Burger fürs Auge wirklich wunderbar und auch geschmacklich ganz gut, wenngleich natürlich nicht mit den Burgern der Burgermacher zu vergleichen! Die hausgemachten Pommes waren dagegen schon etwas labbrig. Nettes Detail: die verschiedenen Burgersaucen in der Holzbox erinnern an ein American Diner.

Wenn man hier herkommen möchte, dann bitte wirklich für das Süße, der Name Bakery ist hier wieder ganz Programm und so konnte die Cheese Cake mit Erdbeeren dann doch noch überzeugen.

Das junge Personal war großteils sehr freundlich, aber zu Mittag ein Kellner mit Alkofahne? Absolutes No-Go!

Unter Daniel’s Motto „Smart luxury“ hätte ich mir etwas mehr erwartet.

Daniel Bakery, Landstraßer Gürtel 5, 1030 Wien

Das Nest.. oder: das erste Haar

Zugegeben, bisher war vom sprichwörtlichen Haar in der Suppe noch nicht viel zu lesen. Wenn ich über Kulinarik schreibe, dann eben gerne und fast ausschließlich über gute, wohlschmeckende, wohltuende. Aber nicht jedes kulinarische Erlebnis ist ein wunderbares. Und hier ist es: mein erstes Haar in der Suppe. Die jungen Wienerinnen und Wiener von heute tun eines sehr gern am Wochenende, wenn auch nicht zu allerfrühster Morgenstund: frühstücken.

Diesmal haben wir uns sogar in eine etwas ab vom Schuss gelegene Gegend von Wien aufgemacht, um dem Frühstücken zu frönen. Nach Sievering, genauer: ins neu eröffnete Café Nest.

Trotz charmanter Flohmarkteinrichtung und jungen Gastronomen hat es leider nicht überzeugt. Lange Wartezeit, wenig Kommunikation mit dem Gast (Ein „Hättet ihr gerne etwas zu frühstücken?“ wäre nett..), und sehr schlichte Frühstücksprodukte haben für die Anreise nicht entschädigt. Schade, Potenzial wäre da, guter Kaffee auch – aus der Kaffeefabrik. Nachdem das Café aber erst kürzlich eröffnet hatte, führe ich es mal auf Startschwierigkeiten zurück und hoffe auf Besserung.